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GEW: "Pensionierungszahlen sollten Weckruf sein: Länder müssen sich um Lehrkräftenachwuchs kümmern"
Bildungsgewerkschaft zur Veröffentlichung der Daten des Statistischen Bundesamtes: Warnung vor Lehrkräftemangel
"Die hohe Zahl der Pensionierungen von Lehrkräften muss ein Weckruf für die Landesregierungen sein: Tut mehr für den Nachwuchs, sonst bluten unsere Schulen aus", sagte Marlis Tepe, Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), am Donnerstag mit Blick auf die Zahlen, die das Statistische Bundesamt veröffentlicht hat. "Die wichtigsten Bausteine einer konzertierten Aktion, um auch weiterhin guten Unterricht qualifizierter Lehrkräfte sicher zu stellen: gleiche Bezahlung an allen Schulformen, die frühe Spezialisierung auf Schultypen beenden, Aus- und Weiterbildung besser ausstatten, umfassender Qualifizierungsanspruch für Quer- und Seiteneinsteiger sowie bessere Arbeitsbedingungen, damit die Lehrkräfte gesund bleiben und nicht vor dem Ruhestand aus dem Beruf aussteigen müssen", betonte Tepe.
Sie stellte fest, dass es immer mehr Bundesländer bereits jetzt nicht mehr schafften, freiwerdende Stellen mit voll ausgebildeten Lehrkräften zu besetzen: "Die Folge: Stellen bleiben frei oder werden mit Menschen ohne Lehramtsausbildung besetzt." Zusätzlich zu Berufs- und Förderschullehrkräften - der Bedarf kann schon seit Jahren nicht gedeckt werden - fehlten zunehmend Lehrkräfte für Grundschulen. "Das ist eine hausgemachte Mangelsituation: Diese Lehrkräfte werden in allen Bundesländern schlechter bezahlt als (fast) alle anderen Lehrkräfte, obwohl auch für das Grundschullehramt ein Masterstudium und der Vorbereitungsdienst erforderlich sind", unterstrich Tepe.
Die GEW-Vorsitzende warf den Bundesländern eklatantes Politikversagen vor: "Während die Entwicklung der Schülerzahlen durch die Zuwanderung kaum vorherzusehen war, sind die wichtigsten Kriterien für den Einstellungsbedarf von Lehrkräften, die Altersstruktur in den Kollegien und die Geburtenrate, bekannt und eine verlässlich Planungsgrundlage. Trotzdem ist über Jahre hinweg an den Unis massiv gespart worden - und zwar gerade in der Lehrerbildung, für die sich nicht so einfach Drittmittel aus der Wirtschaft einwerben lassen", betonte Tepe.
Sie wies darauf hin, dass die Pensionierungszahlen ein unvollständiges Bild des personellen Ersatzbedarfs an den Schulen zeichneten: Zusätzlich zu den verbeamteten gingen Jahr für Jahr immer mehr angestellte Lehrkräfte in Rente, insbesondere in den ostdeutschen Bundesländern. Hier sei die Mehrzahl der Lehrerinnen und Lehrer nach der Wende nicht verbeamtet worden. Die GEW-Vorsitzende warnte: "In den ostdeutschen Ländern wird sich die Lage in den nächsten Jahren weiter zuspitzen. Das Land Berlin hat bereits im vergangenen Jahr rund ein Drittel Seiteneinsteiger eingestellt. Im April warb der Berliner Senat schon mit Anzeigen in Österreich und den Niederlanden um Lehrkräfte. In Sachsen wurde in einzelnen Schulbezirken aktuell mehr als die Hälfte der Stellen mit Quereinsteigern besetzt, landesweit sind rund 45 Prozent der Neuen Quer- und Seiteneinsteiger."
Info: Das Statistische Bundesamt hat heute aktuelle Zahlen zu Versorgungsempfängern im öffentlichen Dienst vorgelegt. Demnach wurden im Jahr 2015 rund 27.900 verbeamtete Lehrerinnen und Lehrer in den Ruhestand versetzt. Dies ist der höchste Wert seit Beginn der statistischen Erfassung im Jahr 1993. Alle Infos finden Sie hier:
https://www.destatis.de/DE/PresseService/Presse/Pressemitteilungen/2016/12/PD16_455_742.html
Quelle: GEW-Hauptvorstand, Ulf Rödde, Pressesprecher vom 15.12.2016
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